Baldrian nicht nur ein Beruhigungsmittel

Der Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine der bekanntesten und meist eingenommenen Heilpflanzen, die schon in den Therapien der alten Griechen ihren Platz hatte.

Seine Blätter sind gefiedert. Er blüht im Sommer und seine Blüten sind weiß oder rosa. Er kommt in Nordamerika, Mittelasien und Europa vor, also auch in Deutschland. Man findet ihn auf feuchten Böden, wie Waldlichtungen, Fluss- und Seeufern und er kann auch im Blumentopf gepflanzt werden. Der Teil der Pflanze, der in der Produktion von Arzneimitteln verwendet wird ist die Wurzel.

Diese sollte am besten im Herbst gesammelt werden. Es ist aber durchaus möglich die ganze Pflanze zu verwenden. Die Wirkung der Wurzel ist nicht nur die Summe der Wirkungen ihrer Inhaltsstoffe, sondern auch das Ergebnis des Zusammenspiels der Einzelstoffe und ihrer Abbauprodukte untereinander. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherische Öle. Ihre Wirkung beruht auf ihr Binden auf Rezeptoren des Gehirns, die GABA-A Rezeptoren heißen. Ihre Abbauprodukte sind Carbonsäuren, wie zum Beispiel Valeriansäure.

Wirkung des Baldrians

 

Hauptanwendungsgebiet der Pflanze ist die Stressminderung, aber auch ihre krampflösende (spasmolytische) und muskelentspannende Wirkung sind nicht unerheblich.
Wenn sie bei Stress und Unruhezuständen angewendet wird, kann sie über den Tag verteilt eingenommen werden. Sie hilft bei akutem Stress, wie Lampenfieber oder Prüfungsangst, aber auch bei Personen mit chronischem Stress und denen, die sich leicht aufregen und schnell nervös werden. Auch psychosomatische Beschwerden, die durch erhöhten Stress verursacht werden, werden durch baldrianhaltige Mittel positiv beeinflusst. Der Reizdarm ist die häufigste funktionelle Störung des Verdauungsapparats. Symptome wie Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen werden durch die Einnahme signifikant gemindert.

Es ist bekannt, dass stressgeplagte Personen häufig an Herzrasen und Bluthochdruck leiden. Die beruhigende Wirkung der Heilpflanze mindert den Puls und regelt dadurch auch den Blutdruck.
Kopfschmerzen und Migräneanfälle werden oftmals durch erhöhten psychischen Druck ausgelöst.

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Die Einnahme von baldrianhaltigen Arzneimitteln und Tees mindert sowohl die Anzahl, als auch die Intensität der Anfälle. Auch die muskelentspannende Wirkung spielt eine Rolle bei der Minderung der Kopfschmerzen. Durch die Muskelentspannung werden außer den Kopfschmerzen, vor allem Symptome bekämpft, die einen zum Orthopäden schicken. So werden schmerzhafte Verspannungen der Halswirbelsäule und des Rückens gelöst. Kreuzschmerzen, die in die Beine ausstrahlen können (Lumbalgie und Ischialgie) und Gelenkbeschwerden, die auch muskuläre Verhärtungen hervorgerufen werden, werden ebenfalls gebessert.

Die Entspannung der Muskulatur der inneren Organe führt zur Linderung der zugehörigen Symptome. So führt die Entspannung der Gebärmuttermuskulatur zur Linderung der Regelschmerzen und die Lockerung der Bronchialmuskulatur zur Besserung des Hustens. Im letzten Fall sollte man den Baldrian als warmen Tee trinken, um die positive Eigenschaften des heißen Getränks ebenfalls zu nutzen.

Ebenfalls nützlich ist er bei Darmkoliken. Allerdings sollte es bei Koliken der Säuglinge nur zur äußerlichen Anwendung kommen. Hierfür wird Wurzel gekocht, und der Säugling darin gebadet. Bei Schlafstörungen wird die Einnahme abends, etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen empfohlen.

Sie hilft sowohl bei Einschlafstörungen als auch bei Durchschlafstörungen. Es wurde in Studien eine Verkürzung der Einschlafzeit gemessen, aber auch selteneres Aufwachen in der Nacht. Auch im Rahmen des Klimakteriums auftretende Schlafstörungen werden gebessert. Hier beobachtet man auch Linderung anderer Probleme wie Hitzewallungen, Unruhe und Herzrasen.

Baldrianhaltige Mittel sind in jeder Form (Tabletten, Tropfen, Tees) in Apotheken und Drogerien zu finden. Die Dosierung ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich. Es werden 2 bis 3 Gramm pro Tag empfohlen. Nebenwirkungen sind extrem selten, und beschränken sich auf allergische Hauterscheinungen. Bei der Zubereitung als Hausmittel sollte wie folgt vorgegangen werden: 100 Gramm Wurzel in 1 Liter kalten Wasser für 12 Stunden stehen lassen. Man kann davon bis zu 3 Tassen am Tag trinken. Um den schlechten Geruch zu mildern, kann mit der Baldrianwurzel etwas Majoran in das Wasser hinzugegeben werden.